Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.
Passend dazu haben wir auch einen Hoteltipp: Für deine Erholung findest du hier das größte Wellnesshotel in Westlitauen mit 16 Schwimmbecken und 8 Saunen.
Die Kurische Nehrung in der Ostsee
Wenn du von oben auf die Landkarte schaust, wirkt die Kurische Nehrung (Kuršių nerija) wie ein hauchdünner, eleganter Faden im Meer. Dieser schmale Landstrich zieht sich über 98 Kilometer zwischen der offenen Ostsee und dem ruhigen Kurischen Haff entlang. Der nördliche Abschnitt mit seinen 52 Kilometern gehört zu Litauen, während der südliche Teil an die russische Exklave Kaliningrad grenzt. Früher war die Nehrung übrigens ein Teil von Ostpreußen.
Auf den ersten Blick sieht es fast so aus, als könntest du von überall gleichzeitig auf das Haff und die Ostsee blicken. Ganz so winzig ist der Streifen dann aber doch nicht: An der schmalsten Stelle misst die Kurische Nehrung etwa 400 Meter, an der breitesten Stelle dehnt sie sich auf immerhin 3,8 Kilometer aus.
Wie die Wüste im Meer entstanden ist
Dass es diese Halbinsel in der Ostsee überhaupt gibt, hast du dem Zusammenspiel von Wind und Welle zu verdanken. Die Strömungen der Ostsee und stetige Winde schichteten den Sand über Jahrhunderte hinweg erst zu Sandbänken und schließlich zu kleinen Inseln auf. Irgendwann wuchsen diese Eilande zu einer riesigen Sanddüne zusammen – und die ersten Fischer konnten sich hier niederlassen.
Doch das Leben im Sand war tückisch: Die Dünen wanderten weiter. Der Wind wehte den Sand unaufhaltsam über die Dörfer. Im 19. Jahrhundert wurden die Orte Karwaiten und Neegeln komplett unter den Sandmassen begraben. Um die Küste und die Menschen zu schützen, begann man schließlich, die Region gezielt mit Kiefern aufzuforsten. Mit Erfolg: Der Schutzwald ist in den letzten 100 Jahren so stark gewachsen, dass die Kurische Nehrung heute zu großen Teilen von dichtem Wald bedeckt ist.
So unterschiedlich ist die Landschaft der Kurischen Nehrung
Der gesamte westliche Teil der Nehrung liegt an der Ostsee. Dort bist du am kilometerlangen Strand, mit extrem feinem, weißen Sand. Das gesamte Westufer der Kurischen Nehrung ist ein Sandstrand – ohne Unterbrechung und ohne Bebauung. Es gibt immer wieder Zugänge zum Strand, so dass du hier perfekt baden und schwimmen kannst, Außerdem ist der breite Strand toll zum Spazieren – und um die Sonnenuntergänge zu genießen.
Der gesamte östliche Teil der Nehrung liegt zum Haff hin. Die Landschaft ist komplett anders als die Westküste. Hier grenzt die Kurische Nehrung an das sogenannte Kurische Haff – das ist ein Süßwasser mit Schilfgürtel und kleinen Buchten. Im Vergleich zur Ostsee wirkt die Fläche des Kurischen Haffs winzig – doch es ist drei Mal so groß wie der Bodensee. An der Haffküste wurden damals im Windschatten der Dünen die Fischerdörfer gebaut. Heute sind in den ehemaligen Fischerdörfern die Siedlungen mit Ferienwohnungen und Hotels. Viele Urlauber schwärmen nur von der Nehrung – dabei hat das Haff auch einiges zu bieten! Hier zeige ich dir, was sich am Kurischen Haff alles lohnt.
Zwischen Ostseeküste und Haffküste findest du ganz viel Wald. Das Innere der Halbinsel ist zu rund 70 Prozent bewaldet. Die Bergkiefern- und Birkenwälder sind so groß, dass hier gute Elche, Rehe und Wildschweine leben können. Mit etwas Glück kannst du Elche außerhalb der Orte sehen. Besonders gut soll das im Herbst möglich sein. Wo die Kurische Nehrung nicht bewaldet ist, sind heute noch Dünen und Sandwüste. Die riesigen Dünen sind die Attraktion und die größte Sehenswürdigkeit. Besonders ausgeprägt ist die Parnidis-Düne und die Tote Düne. Diese großen hellen Dünen wirken wie eine Kulisse aus einer anderen Welt. Sie erinnern an die Sahara – daher kommt auch die Bezeichnung der Kurischen Nehrung als Ostpreußische Sahara oder Sahara Litauens.


Nationalpark Kurische Nehrung seit 1991
Bereits 1961 bestand ein Landschaftsschutzgebiet auf der Nehrung, zum Schutz der Dünen. Genau dreißig Jahre später erfolgte nach der Unabhängigkeit Litauens die Einrichtung eine Nationalparks. Im Jahr 2000 kam noch die Auszeichnung der UNESCO zum Weltkulturerbe dazu. Die besondere Natur ist aber nicht allein entstanden, der Mensch hat wesentlich zum heutigen Aussehen beigetragen. Auch heute braucht es noch ein Gleichgewicht aus Naturschutz und menschlichen Eingriffen. –> alle Infos zum Nationalpark Kurische Nehrung
Welcher Ort auf der Kurischen Nehrung ist der Schönste?
Es gibt vier Orte auf der Kurischen Nehrung in Litauen. Sie sind alle nicht besonders riesig – zwei der Orte sind eher kleine Siedlungen als ein Ort. In allen Orten findest du Häuser mit dem typischen kurenblauen und dunkelroten Holzbaustil mit den kunstvoll geschnitzten Giebeln. Nida (früher Nidden) ist das Zentrum der Nehrung und für die meisten Urlauber der schönste Ort auf der Kurischen Nehrung. Es wird mehr und mehr zu einem mondänen Urlaubsort – mit hohen Preisen. Einst war Nida die Heimat der berühmten Künstlerkolonie Nidden und Sommersitz von Literaturnobelpreisträger Thomas Mann. Heute hat Nida eine wunderschöne Promenade am Haff, ganz viele Restaurants und viele schnuckelige Holzhäuser. Besonders sehenswert ist die 52 Meter hohen Parnidis-Wanderdüne mit ihrer besonderen Sonnenuhr.
–> alle Infos über Nida
Juodkrantė (früher Schwarzort) ist der älteste Urlaubsort der Halbinsel. Er ist der zweitgrößte Ort auf der Kurischen Nehrung. Du siehst hier besonders prachtvolle Villen im Schweizerstil. Sie stammen aus der Kaiserzeit und sind heute meist Hotels. Direkt hinter dem Villenviertel geht es in den Wald auf den berühmten Hexenberg (Raganų kalnas). Das ist ein Waldhügel mit rund 80 riesigen Holzskulpturen. Du kannst entlang dieser meterhohen Holzfiguren spazieren und mehr über die litauischen Sagen und die Märchengestalt Nida erfahren.
–> alle Infos über Juodkrantė
Die beiden kleinen Siedlungen Preila (frühr Preil) und Pervalka (früher Perwelk) liegen zwischen Nida und Juodkrantė. Es stehen dort vor allem Ferienhäuser. Es sind tolle Ecken zum radfahren und wandern durch die schöne Landschaft der Dünen. Besonders berühmt ist die Tote Düne. In Pervalka steht zudem der besondere Leuchtturm auf einer winzigen, künstlichen Insel im Wasser des Haffs. Ganz in der Nähe befindet sich zudem eine riesige Kormoran- und Graureiherkolonie
–> alle Infos über Preila und Pervalka



Praktische Tipps für deinen Besuch
Die Anreise ab Klaipėda ist mit der Autofähre sehr einfach, aber nicht ganz günstig. Hier alle Infos über die Fähre auf die Kurische Nehrung. Wenn du mit einem Kraftfahrzeug auf die Nehrung fährst, musst du hinter der Fährstation in Smiltynė eine Mautstation passieren und eine Ökotaxe bezahlen. Diese Gebühr ist im Hochsommer (Juni bis August) absichtlich sehr hoch angesetzt, um den Autoverkehr zu regulieren. Radfahrer und Fußgänger sind von der Maut befreit. –> Kurische Nehrung mit dem Auto
Eigentlich ist das Fahrrad das mit Abstand beste Fortbewegungsmittel. Du kannst mit der Fähre von Klaipėda samt Fahrrad auf die Kurische Nehrung. Ab dort gibt es einen gut ausgebauten Radweg, der komplett auf der Nehrung bis Nida verläuft. Auf dem Weg liegen die anderen drei Orte. Perfekt um die Sandstrände und die Natur zu entdecken. –> Kurische Nehrung mit dem Fahrrad
Achte bei deinem Besuch der Nehrung auch auf die traditionelle Fischerarchitektur. Viele Häuser sind mit kunstvoll geschnitzten Kurenwimpeln geschmückt – diese bunten Wetterfahnen dienten früher als eine Art Identitätsnachweis für die Boote der Fischer. In Nida kannst du besonders viele der Wimpel sehen. Sie sind auf Stangen entlang der Promenade gehängt. –> Kurenwimpel
Lohnt sich die Kurische Nehrung?
Ja, die Kurische Nehrung lohnt sich auf jeden Fall wenn du Natur magst. Die Nehrung in der Ostsee gehört für uns zu den beeindruckendsten Naturlandschaften in ganz Europa. Wenn du besondere Naturerlebnisse schätzt, wird dich diese schmale Landzunge begeistern. Es gibt hier überhaupt keine Bettenburgen am Strand der Ostsee. Uns hat es sehr gut gefallen, durch die weitläufigen Dünen zu wandern. Nicht attraktiv ist die Nehrung, wenn du Party und Inszenierung im Urlaub am Strand suchst. Das gibt es hier nicht. Dafür gibt es in der Nähe den Ort Palanga.
Kurische Nehrung – die häufigsten Fragen
In den Urlaubsmonaten Juli und August ist die Kurische Nehrung sehr stark besucht und auch die Einheimischen bezeichnen sie dann als überlaufen. Das restliche Jahr ist es aber relative ruhig – im Winter bist du fast alleine als Urlauber hier.
Wenn du die fast lautlose Weite der Dünenlandschaft ungestört erleben möchtest, solltest du auf die Nebensaison ausweichen: bis zum 19. Juni und im September ist das Wetter schon (oder noch) angenehm warm, die Strände sind leer, die Maut für das Auto ist günstiger und du musst in den Restaurants von Nida nicht um einen freien Tisch kämpfen.
Ja, die Kurische Nehrung war über Jahrhunderte deutsch. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs gehörte die gesamte Halbinsel zu Ostpreußen und war überwiegend von einer deutschsprachigen Bevölkerung sowie den baltischen Kuren besiedelt. 1945 wurde die Region aufgeteilt und die deutsche Bevölkerung vollständig vertrieben.
Die Fischerdörfer Nida, Juodkrantė, Preila und Pervalka gehören zur selbstständigen Gemeinde Neringa, die mit rund 3.600 gemeldeten Bürgern die kleinste Gemeinde Litauens ist. Der ganz im Norden liegende Ortsteil Smiltynė gehört offiziell zur Hafenstadt Klaipėda, zählt aber nur wenige Dutzend ständige Einwohner.
Neben der Kurischen Nehrung hat uns der Ellenbogen Sylt, die Kreidefelsen Rügen und der Gespensterwald besonders stark beeindruckt. Überall hier, hat uns die Natur einen besonders tollen Platz geschaffen.
Wenn du von landschaftlichen Extremen und Natur fasziniert bist, solltest du einmal den Ahornboden in den Alpen, die Adersbacher Felsenstadt in Tschechien, die Basteibrücke in der Sächsischen Schweiz, den türkisblauen Walchensee in Bayern, die Gilfenklamm in Südtirol und das Felsenlabyrinth Luisenburg besuchen.

