Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.
Preila auf der Kurischen Nehrung
Die beschauliche Ortschaft Preila (Preil) gehört zu den ruhigsten und unaufgeregtesten Ecken auf der Kurischen Nehrung. Während sich die Touristenströme auf Nida oder Juodkrantė konzentrieren, findest du rund um Preila noch ein weitgehend unberührtes Landschaftsjuwel. Sehenswert ist die Preila-Düne, die im Litauischen als Künstlerdüne (Menininkų kapa) bekannt ist. Auch sehenswert ist die Karvaičiai-Düne. Sie liegt in unmittelbarer Nachbarschaft der Preila Düne. Die Dünen von Preila bieten die schönsten und friedlichsten Aussichtspunkte der gesamten Halbinsel – ohne viele Touristen.
Das Schicksal des versunkenen Dorfes Karvaičiai
Wer die Dünenlandschaft um Preila verstehen will, muss einen Blick in die Vergangenheit werfen. Nur wenige Kilometer südlich des heutigen Ortes erstreckt sich die Karvaičiai-Düne (Karvaičių kapa), die heute eine Höhe von knapp 60 Metern erreicht. Unter diesen riesigen Sandmassen liegt das tragische Schicksal des gleichnamigen Fischerdorfes Karvaičiai (Karwaiten).
Im 18. Jahrhundert geriet die Düne durch die Abholzung der Wälder unaufhaltsam in Bewegung. Die Dorfbewohner kämpften jahrzehntelang einen verzweifelten, aussichtslosen Kampf gegen die herannahenden Sandmassen. Der Sand verschluckte nach und nach die Ställe, die Wohnhäuser und schließlich im Jahr 1797 die hölzerne Dorfkirche. Die Menschen mussten kapitulieren. Sie verließen ihre Heimat und gründeten im selben Jahr weiter nördlich eine neue Siedlung: das heutige Preila. Die Düne, die ihr altes Dorf unter sich begrub, steht heute als bewaldeter Wächter an der Küste.
Die Künstlerdüne (Preila-Düne): Der Logenplatz über dem Haff




Direkt am nördlichen Ortsrand von Preila erhebt sich die eigentliche Ortshöhe, die Preila-Düne (Preilos kapa). Mit einer Höhe von 53 Metern bietet sie einen spektakulären und absolut lohnenswerten Aufstieg. Ihren Beinamen „Künstlerdüne“ verdankt sie der Tatsache, dass sich schon im frühen 20. Jahrhundert Maler der Künstlerkolonie Nidden hierher zurückzogen, um die unendliche Weite und das besondere Licht in ihren Bildern einzufangen.
Heute führt ein wunderschön angelegter, schattiger Wanderweg durch dichten Kiefernwald vom Dorf hinauf zum Gipfelplateau. Der Aufstieg ist dank gut ausgebauter Holztreppen komfortabel zu bewältigen. Sobald du die Baumgrenze hinter dir lässt und das hölzerne Aussichtsplateau auf dem Gipfel betrittst, öffnet sich dir ein atemberaubendes Panorama:
- Im Osten blickst du auf das spiegelglatte, weite Kurische Haff und kannst bei klarer Sicht das ferne Festland Litauens (das Memelland) erkennen.
- Im Süden liegen dir die bunten, kurenblauen Dächer von Preila zu Füßen, die sich wie Spielzeughäuser an die schmale Bucht schmiegen.
- Im Südwesten erheben sich in der Ferne die hellen, monumentalen Zacken der Parnidis-Düne von Nida.
- Im Westen rauscht hinter dem schmalen Waldgürtel die unendliche, tiefblaue Ostsee.
Insider-Tipps für deinen Besuch in Preila
- Insider-Tipp 1: Der Picknick-Himmel zur goldenen Stunde Im Gegensatz zur Parnidis-Düne in Nida gibt es auf der Künstlerdüne in Preila keine Busparkplätze und keine Touristenmassen. Nimm dir am späten Nachmittag eine Decke, frisches Brot und litauischen Käse mit nach oben. Wenn die Sonne langsam tief steht, verwandelt sich das Aussichtsplateau in den wohl exklusivsten und einsamsten Picknickplatz der gesamten Nehrung.
- Insider-Tipp 2: Den alten Friedhof von Preila besuchen Kombiniere den Dünenaufstieg mit einem kurzen Abstecher zum historischen Inselfriedhof, der sich am Fuße der Düne im Wald versteckt. Hier findest du noch einige der alten, typischen Kurenkreuze – kunstvolle Grabstelen aus Holz, die mit ihren Symbolen von Vögeln und Pflanzen an die alten Traditionen der Haff-Fischer erinnern.
- Insider-Tipp 3: Mit dem Fahrrad über den Dünenkamm Wenn du sportlich unterwegs bist, nutze den fantastisch ausgebauten Küstenradweg, der von Juodkrantė nach Nida führt – direkt durch Preila. Die Etappe rund um Preila gilt als eine der landschaftlich schönsten, da sich der Radweg hier eng an die bewaldeten Dünenhänge anschmiegt und immer wieder kurze Wanderwege hinauf zu versteckten Haff-Aussichtspunkten abzweigen.
Wichtige Tipps für deine Reiseplanung
Preila liegt im südlichen Teil der litauischen Nehrung, etwa 10 Kilometer nördlich von Nida und rund 40 Kilometer südlich der Fährstation in Klaipėda. Der Ort ist über eine gut ausgeschilderte Straße von der Hauptstraße aus erreichbar.
- Eintritt und Zugang: Der Zugang zur Preila-Düne und dem Aussichtsplateau ist das ganze Jahr über rund um die Uhr frei zugänglich und absolut kostenlos.
- Zeitaufwand: Für den Spaziergang aus dem Dorfzentrum von Preila, den Aufstieg über die Treppen und das Genießen der Aussicht auf dem Gipfel solltest du etwa 1 Stunde einplanen.
- Wegebeschaffenheit: Der Weg ist durch die Holztreppen gut gesichert. Dennoch führt der Zustieg über Waldboden und Stufen, weshalb er für Rollstühle oder schwere Kinderwagen leider nicht geeignet ist. Festes Schuhwerk oder rutschfeste Freizeitschuhe sind ratsam.
- Das eiserne Gesetz des Naturschutzes: Auch wenn die Dünen um Preila heute weitgehend durch Kiefernwälder und Grasdecken stabilisiert sind, gilt auch hier: Bleibe unbedingt auf den offiziellen Holzstegen und Treppenanlagen! Die dünne Vegetationsschicht schützt den Sand vor der Erosion durch den Wind. Ein einziger Tritt abseits der Wege kann die Pflanzendecke zerstören und den Sand erneut ins Wandern bringen.
Weiterführende Links
- das ist die Kurische Nehrung
- bekannt und beliebt in Nida
- das lohnt in Juodkrantė
- wissenswert über das Kurische Haff
- alle Informationen über den Nationalpark Kurische Nehrung

