Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.
Parnidnis-Düne – Eine der größten Wanderdünen in Europa
Die Parnidis-Düne (Parnidžio kopa) ist eine der größten Dünen in ganz Europa. Das Besondere ist nicht nur die Größe: Es handelt sich um eine Wanderdüne. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich diese gewaltigen Sandmassen mit des ständigen Westwind um 0,5 bis 10 Meter pro Jahr in Richtung Osten bewegen – je nachdem, wie stark der Wind bläst.
Die Düne liegt direkt am südlichen Ortsrand des beliebten Urlaubsortes Nida. Dass der Ort heute überhaupt noch existiert, ist nicht selbstversändlich. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die damals karge Dünenlandschaft südlich von Nida gezielt mit Kiefern bepflanzt. Dies sollte das Wandern des Sands Richtung Nida verhindern. Der Plan funktionierte: Weite Teile der Wanderdüne sind heute stabilisiert, sodass die akute Gefahr gebannt ist und Nida wohl nicht mehr verschüttet wird.
Von der Parnidis-Düne hast du einen weiten Blick auf die unberührten, weißen Wanderdünen des Naturschutzgebiets Grobštas (Grobštas-Reservat). Bei guter Sicht kannst du am Horizont sogar die flimmernden Sanddünen sehen, die bereits auf dem Territorium von Russland (Oblast Kaliningrad) liegen.
Eine der größten Dünen in Europa – die Parnidis-Düne in NidaDer offizielle Wanderweg über den Holzbohlenweg auf die Parnidis DüneAusblick über die Düne in Nida Richtung Kurisches HaffWanderweg auf die Parnidis Düne
Wie kann man auf die Parnidis-Düne wandern?
Heute kannst du auf offiziellen Wanderwegen auf die Parnidis-Düne hinauf wandern. Am schönsten finde ich die Wanderung aus dem Ortszentrum entlang des Kurischen Haffs und das Tal der Stille samt dem Holzbohlenweg. Alternativ kannst du auch über die Düne hinauf. Wenn du wenig wandern willst, kannst du aber auch vom Parkplatz unterhalb des Gipfels startem. Es gibt diese drei Wege auf die Parnidis Düne:
Weg A: Der Parnidis-Lehrpfad durch den Wald
Der rund 1,1 Kilometer lange Parnidis-Lehrpfad (Parnidžio pažintinis takas) startet im südlichen Teil von Nida in der direkten Nähe der Sportschule (Neringa Sports School). Der erste Abschnitt dieses Weges verläuft vollkommen flach. Er führt dich gemächlich durch den schattigen Küstenwald mit den Bergkiefern, bis du den Fuß der Düne erreichst. Hier beginnt der eigentliche Aufstieg. Eine neu angelegte Holztreppe führt dich ab hier den nördlichen Dünenhang hinauf. Dieser Weg ist ein Erlebnis für sich, denn entlang des Pfades befinden sich sechs Schautafeln zur Entstehungsgeschichte der Landschaft, 22 Bänke für eine Pause sowie vier Aussichtsplattformen. Diese bieten dir Ausblicke über die Küstenlandschaft, bevor du die große Aussichtsplattform oben bei der Sonnenuhr auf dem Gipfel erreichst.
Weg B: Der Uferweg entlang des Kurischen Haffs
Eine landschaftlich vollkommen andere Perspektive bietet dir die Route entlang des Wassers. Nach der Sportschule hältst du dicheher links am Ufer des Kurischen Haffs. Auf diesem Weg passierst du zunächst das Tal des Stille (Tylos slėnis), das mit seiner Riesenschaukel und dem Stuhl von Neringa zu einem kurzen Zwischenstopp einlädt. Danach führt dich der Weg weiter um den östlichen Fuß der Düne herum und leitet dich vorbei am Todestal (Mirties slėnis). Von dieser südlichen Seite her steigst du schließlich direkt durch die Düne hinauf. Im Sand ist es schwere zu gehen. Dafür finde ich diese Route extrem abwechslungsreich – und wo sonst kann man durch die weite, weiße wüstenähnliche Dünenlandschaft wandern? Oben erreichst du ebenfalls die Sonnenuhr samt Aussichtsplattform. Wenn du im Ortszentrum startest, lassen sich dieser Uferweg und der Parnidis-Lehrpfad übrigens ideal zu einem etwa 7 Kilometer langen Rundweg kombinieren.
Weg C: Der kürzestes barrierefreie Panorama – Spaziergang
Für Besucher, die möglichst nahe mit dem Auto hinauf fahren möchten oder den Fußmarsch aus dem Ort abkürzen möchten, gibt es eine besonders komfortable Alternative. An der Straße E. A. Jonušo g. befindet sich ein gebührenpflichtiger Parkplatz unweit des eigentlichen Dünenplateaus. Vom Parkplatz aus führt ein hervorragend ausgebauter, fest befestigter Fuß- und Radweg fast vollkommen eben und ohne nennenswerte Steigung direkt zur großen Haupt-Aussichtsplattform. Dieser Weg ist breit und flach gepflastert und im Gegensatz zu den Treppenwegen vollkommen barrierefrei. Er eignet sich perfekt für Rollstuhlfahrer, Familien mit Kinderwagen oder Personen, die Stufen meiden möchten. Selbst an Informationstafeln in Blindenschrift wurde auf dem oberen Plateau gedacht, um allen Menschen dieses Naturerlebnis zu ermöglichen. Für diesen Weg brauchst du nicht lange. Es ist ein Katzensprung vom Parkplatz bis zur Sonnenuhr, lediglich etwa 5 bis 10 Minuten zu Fuß.
Wichtiger Hinweis zum Naturschutz: Die Parnidis-Düne gehört zu einem streng geschützten Reservat. Bitte verlasse unter keinen Umständen die vorgegebenen Holzstege und Wege und rutsche niemals die Sandhänge hinab! Die Erosion durch Tritte ist der größte Feind der Düne. Jeder unbedachte Schritt im losen Sand bringt Tonnen von Material ins Rutschen, wodurch die Düne unaufhaltsam an Höhe verliert und der Sand im Haff versinkt.
Die astronomische Sonnenuhr auf der Parnidis Düne
Die fast 14 Meter hohe Sonnenuhr auf der Parnidis-Düne
Ganz oben auf dem windigen Gipfel der Parnidis-Düne ist die Sonnenuhr mit Kalender (Saulės laikrodis). Dieser 13,8 Meter hohe Steinpfeiler wurde aus Granit errichtet und ist mit Runen und astronomischen Symbolen verziert. Die Uhr ist ein mathematisches Meisterwerk: Da die Parnidis-Düne einer der ganz wenigen Orte in Litauen ist, an dem die Sonne direkt im Wasser des Haffs aufsteigt und abends in den Wellen der Ostsee versinkt, lässt sich die Zeit hier rein astronomisch exakt an dem Schatten ablesen, den der Monolith auf die kreisrunden Steinstufen wirft. Die Stufen sind so gebaut, dass du zu jeder Jahreszeit die richtige Uhrzeit ablesen kannst.
Die Sonnenuhr auf der Parnidis-Düne ist umstritten: Im Jahr 1999 fegte der verheerende Orkan Anatoly über die Küste und brach den oberen Teil des Obelisken wie ein Streichholz ab. Es kam zu einer jahrelangen Diskussion in ganz Litauen, ob und wie man die Sonnenuhr wieder aufbauen sollte. Viele sahen in der Sonnenuhr das Werk der ehemaligen Sowjetunion. Doch letztlich wollte man die Sonnenuhr wieder haben: Erst im Jahr 2011 wurde der Pfeiler erneut errichtet. Du siehst heute noch die drei großen Teile der abgebrochenen Spitze an der Sonnenuhr liegen.
Wichtige Tipps für den Besuch der Parnidis Düne
Nimm dir für den Aufstieg, das Bestaunen der Sonnenuhr und die Pfade insgesamt mindestens 2 Stunden Zeit. Der Zugang zur Natursehenswürdigkeit selbst ist komplett kostenlos (beachte lediglich die allgemeine Naturschutz-Einfahrtsgebühr für Fahrzeuge auf die Kurische Nehrung). Da es auf der offenen Düne keinerlei Schatten gibt und der weiße Sand die Hitze stark reflektiert, solltest du im Sommer unbedingt an ausreichend Wasser, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme denken.
Im Sommer sind viele Mücken unterwegs. Besonders entlang des Haffs und im Wald finden sie ihren Platz. Schütze dich entsprechend mit langer Hose, Jacke oder ganz viel Mückenspray. Oben auf der Düne ist die Mückenplage vorbei – dort vertreibt sie der Wind.
Besonders schön ist die Parnidis-Düne zum Sonnenuntergang. Wenn die Tagestouristen abreisen, wird es still auf der Düne. Die untergehende Sonne taucht den Sand in Orange, Rosa und Gold. Es ist wahrscheinlich einer der schönsten Orte für einen Sonnenuntergang auf der Kurischen Nehrung.
Die Parnidis-Düne ist rund 52 Meter hoch. Da sie eine Wanderdüne ist, verändert sich die Höhe jedoch laufend. Aktuell wächst sie sogar und wird höher.
Darf man die Parnidis Düne betreten?
Ja, das Betreten der Parnidis Düne ist erlaubt – aber ausschließlich auf den offiziell ausgewiesenen Holzstegen und Pfaden.
Was hat es mit der großen Sonnenuhr auf der Spitze auf sich?
Auf dem Gipfel steht eine 13,8 Meter hohe steinerne Sonnenuhr. Sie wurde nach einem schweren Orkan im Jahr 1999 rekonstruiert und zeigt mithilfe der Schatten exakt die astronomische Zeit an.
Kostet die Parnidis Düne Eintritt?
Nein, du kannst die Düne kostenlos besuchen.
Wo kann man am besten an der Parnidis Düne parken?
Es gibt einen großen, in der Hauptsaison gebührenpflichtigen Parkplatz direkt auf dem Hügel nahe der Sonnenuhr, von dem aus du die Aussichtsplattform barrierefrei in wenigen Schritten erreichst.