Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
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So schön ist Juodkrantė auf der Kurischen Nehrung
Das ehemalige Fischerdorf Juodkrantė (historisch Schwarzort) ist die zweitgrößte Siedlung auf der Kurischen Nehrung. Während das südlich gelegene Nida oft im Rampenlicht steht, besticht Juodkrantė durch seinen ganz eigenen Charme. Diese Häuser sind hier ganz anders gebaut als in Nida, aber meist sehr prachtvoll. Die Villen liegen am Kurischen Haff an der riesigen Parabeldüne, die mit Wald bewachsen ist.
Schon im 19. Jahrhundert entwickelte sich das einstige, arme Fischerdorf zu einemeleganten Kurort. Wohlhabende Gäste aus Königsberg, Tilsit und Berlin reisten an, um die heilende Seeluft und die Natur zu genießen. Bis heute versprüht Juodkrantė diese nostalgische Atmosphäre eines historischen Ostseebades, kombiniert mit dem maritimen Erbe des Memellandes.
Die Villenmeile und die Uferpromenade




Den Spaziergang durch Juodkrantė beginnst du besten an der wunderschönen Uferpromenade direkt am Kurischen Haff. Hier flanierst du im Schatten alter Bäume, während das Wasser sanft gegen die Steine plätschert. Entlang der Promenade erstreckt sich der Skulpturenpark aus Stein (Akmens skulptūrų parkas). Hier haben internationale Künstler ihre Werke direkt am Wasser geschaffen, die im wechselnden Licht des Haffs das eine oder andere Fotomotiv bieten.
Parallel zum Ufer verläuft die historische Villenmeile. Im Gegensatz zu den kurenblauen Fischerhäusern im Ortskern stehen hier prachtvolle, im Schweizer Holzstil und Jugendstil erbaute Kurpensionen und Hotels aus der Jahrhundertwende. Diese liebevoll restaurierten Holzvillen mit ihren verzierten Veranden und Türmchen erzählen vom goldenen Zeitalter, als Schwarzort ein mondänes Pflaster für die europäische Oberschicht war.
Der Hexenberg – berühmte Sehenswürdigkeit in Juodkrantė

Direkt am Ortsrand von Juodkrantė ist der Hexenberg (Raganų kalnas). Diese bewaldete Düne ist einer der wichtigsten spirituellen und kulturellen Orte Litauens. In heidnischer Zeit feierten die Menschen hier die Sommersonnenwende, und im Volksglauben blieb der Hügel stets ein Treffpunkt für Hexen und Geister. Heute schlängelt sich ein ca. 1,5 Kilometer langer Rundweg durch den Kiefernwald, auf dem du eine weltweit einzigartige Freiluft-Ausstellung erlebst: Über 80 monumentale Holzskulpturen säumen den Pfad. Sie wurden ab 1979 von Holzschnitzern und Schmieden aus mächtigen Eichenstämmen erschaffen. Die Figuren teilen den Weg dramaturgisch perfekt auf:
- Der Aufstieg entführt dich in die helle Welt der großen litauischen Epen und Märchen. Hier triffst du auf die Riesin Neringa, die die Nehrung einst in ihrer Schürze aufschüttete, oder auf Eglė, die tragische Königin der Nattern.
- Der Abstieg führt dich tief hinein in das finstere, aber oft humorvolle Reich der Unterwelt. Angeführt vom Teufel Luzifer am Höllentor, tanzen hier Hexen auf Besen und Teufel treiben unter Pilzen ihren Schabernack. Viele der Skulpturen sind als interaktive Bänke, Schaukeln oder Throne gestaltet und laden direkt zum Anfassen und Verweilen ein. –> alle Infos zum Hexenberg
Die Bernsteinbucht
Nördlich des Ortszentrums liegt die Bernsteinbucht (Gintaro įlanka). Früher war diese Bucht im 19. Jahrhundert Schauplatz eines Goldrausches: Zwischen 1860 und 1890 baggerte das jüdische Unternehmer-Duo Stantien & Becker hier im großen Stil nach dem „Gold der Ostsee“. Bei den Baggerarbeiten machten Archäologen einen sensationellen Fund: den sogenannten Schatz von Schwarzort. Es handelte sich um hunderte, rund 5.000 Jahre alte Bernstein-Amulette, Figuren und Knöpfe aus der Jungsteinzeit. Obwohl das Original des Schatzes in den Wirren des Zweiten Weltkriegs in Königsberg verloren ging, ist die Bucht heute ein wichtiges Kulturdenkmal. Jedes Jahr zur Sonnenwende im Juni wird die Bernsteinbucht zur Bühne, wenn riesige Schilfskulpturen im Wasser feierlich entzündet werden. Außerhalb dieser Zeit ist es ein ruhiges Gewässer, das rundherum mit Schilf umgeben ist
Insider-Tipps für deinen Aufenthalt in Juodkrantė
- Insider-Tipp 1: Die größte Kormoran-Kolonie Europas besuchen Nur wenige Kilometer südlich des Ortes erwartet dich ein Naturschauspiel – die riesige Kormoran- und Graureiherkolonie. Von einer hölzernen Aussichtsplattform aus blickst du in einen bizarren, fast surrealen „Geisterwald“. Die tausenden Vögel haben durch ihren ätzenden Guano-Kot die alten Kiefern komplett entlaubt, sodass nur weiße, skelettartige Baumgerippe in den Himmel ragen. Ein faszinierender, lauter und zugegeben etwas streng riechender Ort für Vogelliebhaber.
- Insider-Tipp 2: Der feinste Räucherfisch direkt vom Erlenfeuer Juodkrantė hat eine der besten Räuchertraditionen der Nehrung. Geh abseits der Hauptstraße zu den kleinen Fischerhäusern nahe dem Hafen (halte Ausschau nach den Schildern „Rūkyti žuvys“). Hier werden Brassen, Zander und Flundern noch fangfrisch nach Familienrezepten über Erlenholz heiß geräuchert. Warm verzehrt, direkt auf einer Bank an der Haffpromenade, ist das der absolute kulinarische Himmel.
- Insider-Tipp 3: Die Einsamkeit am wilden Ostseestrand Während sich das Dorfleben am Haff abspielt, liegt auf der anderen Seite der Landzunge der wilde, schier unendliche Ostseestrand. Um dorthin zu gelangen, wanderst du etwa 20 Minuten auf wunderschönen Wegen durch den dichten Dünenwald. Da es hier keine großen Hotelkomplexe gibt, hast du den feinen, weißen Sandstrand selbst im Hochsommer oft fast ganz für dich allein.
Wichtige Tipps für deine Reiseplanung
Juodkrantė ist der erste große Ort auf der Kurischen Nehrung. Von der Fährstation in Klaipėda aus sind es mit dem Auto, dem Fahrrad oder dem regelmäßigen Linienbus nur rund 20 Kilometer bis in den Ort.
- Reisedauer: Juodkrantė eignet sich hervorragend als Tagesausflug (z. B. eine Kombination aus dem Hexenberg, der Bernsteinbucht und einem Mittagessen am Hafen). Wer jedoch die Schönheiten Ortes in Ruhe erleben möchte, durch den Urwald wandern und die bekannte Tote Düne bei Pervalka erkunden möchte, sollte hier mindestens ein bis zwei Nächte verbringen.
- Unterwegs vor Ort: Der Ort ist sehr kompakt und lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden. Das ideale Fortbewegungsmittel für Ausflüge in die Umgebung ist das Fahrrad. Der perfekt asphaltierte Küsten-Radweg führt direkt durch Juodkrantė und verbindet dich im Norden mit Smiltynė (Fähre) und im Süden mit Nida.
- Beste Reisezeit: Die Monate Mai bis September sind ideal. Im Frühsommer blühen die Küstenwälder auf, während der Spätsommer und Frühherbst mit angenehmen Wassertemperaturen in der Ostsee und spektakulären Nebelstimmungen über dem Haff locken.
Weiterführende Links
- das ist die Kurische Nehrung
- wissenswert über das Kurische Haff
- bekannt und beliebt in Nida
- alle Informationen über den Nationalpark Kurische Nehrung

