Kurisches Haff

Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.

➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.

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Kurisches Haff an der Ostsee

Das Kurische Haff (Kuršių marios) ist eine der größten Lagunen Europas. Es handelt sich um ein fast vollständig vom offenen Meer abgeschnittenes Gewässer, das sich über eine Fläche von rund 1.600 Quadratkilometern ausbreitet. Es ist damit mehr als drei Mal so groß wie der Bodensee. Das Haff wird durch die 98 Kilometer lange Landzunge der Kurischen Nehrung von der Ostsee getrennt. Politisch ist das Kurische Haff geteilt: Der nördliche Teil gehört zu Litauen, der südliche Teil zur russischen Exklave Kaliningrad.

Riesiges Süßwasserbecken im Schatten der Dünen

Kurisches Haff in Nida
Kurisches Haff in Nida

Obwohl das Kurische Haff direkt an das Meer grenzt, ist es kein klassisches Salzgewässer. Es wird primär durch den Fluss Memel (Nemunas) und seine Delta-Arme gespeist, die gewaltige Mengen Süßwasser in die Lagune transportieren. Da die einzige Verbindung zur offenen Ostsee am nördlichsten Zipfel bei Klaipėda liegt (das sogenannte Memeler Tief), drückt nur bei starkem Westwind salziges Meerwasser in das Haff. Ansonsten ist das Haff ein extrem flaches Süßwasserbecken mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur knapp vier Metern. Das macht es im Sommer angenehm warm, sorgt jedoch im Winter dafür, dass die Lagune oft monatelang komplett zuzieht und eine dicke Eisschicht bildet.

Die sehenswerten Orte am Kurischen Haff

Du findest mehrere Orte am Kurischen Haff. Sie alle teilen sich das Wasser vor der Haustür, haben aber über die Jahrhunderte völlig eigene Identitäten entwickelt. Man kann die Orte am besten entlang der drei Uferlinien – der Westseite (Kurische Nehrung), der Ostseite (Festlandküste) und dem Flussdelta (Süden) – charakterisieren. Die größte Stadt am Haff ist Klaipėda. Während alle Orte nur wenige Einwohner haben, ist Klaipėda die drittgrößte Stadt Litauens – mit rund 160.000 Einwohnern.

Klaipėda

Klaipeda am Kurischen Haff
Klaipeda – die größte Stadt am Kurischen Haff

Wo das Wasser des Kurischen Haffs mit der Ostsee verbunden ist, liegt Klaipėda. Die drittgrößte Stadt Litauens ist die einzige Hafenstadt des Landes und zugleich der wichtigste Knotenpunkt für die Überfahrt auf die Kurische Nehrung. Du kannst an den liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern der Altstadt entlang spazieren und durch die Gassen mit richtig rustikalem Kopfsteinpfaster. Besucher schlendern gerne entlang der Dange-Promenade oder genießen das maritime Treiben am Terminal für Kreuzfahrtschiffe. Klaipėda versprüht einen ganz eigenen herben Charme und erfindet sich mit dem modernen Memelviertel neu. –> alle Details & Tipps für Klaipėda

Nida

Aussicht in Nida auf das Kurische Haff
Aussicht in Nida auf das Kurische Haff

Nida (Nidden) ist das Zentrum auf der Kurischen Nehrung. Einst ein einfaches Fischerdorf, zog es um 1900 die berühmte Künstlerkolonie Nidden an – darunter Maler wie Max Pechstein und Lovis Corinth sowie den Schriftsteller Thomas Mann, dessen Sommerhaus heute ein Museum ist. Nida ist elegant, touristisch erschlossen und begeistert mit seiner Promenade, vielen Fischrestaurants und der riesigen Parnidis-Düne, die direkt an den Ort grenzt. –> alle Infos über Nida

Juodkrantė

Kurisches Haff - der Hexenberg von Juodkrantė
Kurisches Haff – der Hexenberg von Juodkrantė

Juodkrantė (Schwarzort) ist der älteste Urlaubsort der Nehrung. Berühmt wurde der Ort im 19. Jahrhundert durch den Fund des Schwarzorter Bernsteinmeers (riesige prähistorische Bernsteinamulete). Die Uferpromenade ist breit und du siehst von hier auf die prachtvollen Villen im kaiserzeitlichen Stil und auf das Kurische Haff. Direkt hinter den Häusern ist der Hexenberg (Raganų kalnas) die Attraktion des Ortes, ein bewaldeter Hügel in dem rund 80 riesige Holzskulpturen stehen. Sie erzählen litauische Sagen. –> alle Infos über Juodkrantė

Pervalka

Kurisches Haff bei Pervalka - hier steht ein Leuchtturm im Wasser, nicht am Land
Kurisches Haff bei Pervalka – hier steht ein Leuchtturm im Wasser, nicht am Land

Das kleinste und am dünnsten besiedelte Dorf der Nehrung ist die Oase der absoluten Einsamkeit. Gegründet von Fischern, die vor den Wanderdünen fliehen mussten, besteht der Ort nur aus einer einzigen Uferstraße. Wahrzeichen ist der einsame Leuchtturm, der direkt im Wasser auf einer künstlichen Insel im Haff steht. Hierher kommt man, um die Stille des Kiefernwaldes zu genießen und den Vögeln zuzuschauen. –> das ist Pervalka

Preila

Preila schmiegt sich an eine sanfte Haffbucht und ist der Inbegriff eines verschlafenen, authentischen Fischerdorfes. Auch Preila entstand als Zufluchtsort nach der Verschüttung älterer Dörfer. Die Häuser stehen dicht am Wasser, die Gärten blühen bunt, und über dem Ort thront die 53 Meter hohe Künstlerdüne, von der aus man einen tollen Blick über die gesamte Breite des Haffs hat. –> das ist Preila

Dreverna

Kurisches Haff in Dreverna mit dem besonderen Aussichtsturm
Kurisches Haff in Dreverna mit dem besonderen Aussichtsturm

Dreverna ist die Heimat des Kurenkahnbaus. Das Erbe des Schiffbaumeisters Jonas Gižas wird hier in einem Museum gepflegt. Heute hat Dreverna einen Freizeithafen. Direkt am Hafen gibt es Restaurants und Ferienwohnungen im skandinavischen Stil, die direkt auf Pfählen über dem Wasser stehen. Ein Aussichtsturm bietet zudem den besten Blick über das Haff hinüber zur Nehrung. –> alle Infos über Dreverna

Svencelė

Kurisches Haff mit Sonnenuntergang - in Svencelė
Kurisches Haff mit Sonnenuntergang – in Svencelė

Svencelė ist das Mekka der baltischen Kitesurfer. Der Ort war eine sowjetische Entenfarm. Dann kam ein lässiges Containerdorf aus Schiffscontainern, woraus ein Wohnviertel gebaut wurde. Es gibt viele Ferienhäuser direkt am Wasser, wo man mit dem Kiteschirm oder Boot direkt vor der eigenen Haustür ins Kurische Haff startet. Wir haben dort einen wirklich tollen Sonnenuntergang erlebt. –> wissenswert über Svencelė

Kintai

Kintai ist ein beschaulicher, von riesigen Wäldern umgebener Ort etwas weiter südlich. Historisch bekannt für seine großen Fischzuchtteiche, ist es heute ein Rückzugsort für Naturbegeisterte. Kintai ist berühmt für die zweithöchste Thuja-Hecke Europas und gilt als hervorragender Ort, um den traditionellen, über Erlenholz geräucherten Haff-Fisch in kleinen Familienbetrieben ganz ohne touristischen Trubel am Kurischen Haff zu kaufen.

Ventės Ragas

Leuchtturm Ventes Ragas

Weit schiebt sich die Landzunge des Kaps Ventė (Windenburger Eck) in das östliche Kurische Haff hinein und bildet einen der naturräumlich faszinierendsten Orte am gesamten Haff. Millionen von Zugvögeln passieren im Frühjahr und Herbst diesen Küstenstreifen. In einer der ältesten ornithologischen Stationen Europas werden die Tiere von Wissenschaftlern behutsam mit riesigen Reusennetzen gefangen und beringt. Neben der Natur zieht vor allem der historische, rote Backstein-Leuchtturm von 1852 die Blicke auf sich. Von seiner Plattform aus genießt du einen Panorama-Ausblick über das Haff zu den Dünen der Kurischen Nehrung. –> so schön ist Ventės Ragas

Rusnė

Kurisches Haff nahe Rusnė - hier fließt das meiste Wasser ins Haff
Kurisches Haff nahe Rusnė – hier fließt das meiste Wasser ins Haff

Rusnė ist die einzige bewohnte Flussinsel Litauens und liegt direkt an der Grenze zur russischen Region Kaliningrad. Da Teile der Insel unter dem Meeresspiegel liegen, ist sie von riesigen Polderdeichen und Pumpstationen umgeben. Der Hauptort Rusnė Kurisches Haff strahlt mit seinen alten ostpreußischen Backsteinhäusern eine herbe Melancholie aus. Im angeschlossenen Ortsteil Skirvytėlė stehen die Fischerkaten direkt an schmalen Kanälen, weshalb man sich hier ausschließlich per Boot fortbewegte. –> so schön ist Rusnė

Minė

Mingė ist das wohl ungewöhnlichste Dorf Litauens und wird völlig zurecht als das „Venedig des Baltikums“ bezeichnet. Das Dorf hat keine Hauptstraße – stattdessen fließt der Fluss Minija mitten durch den Ort. Die wunderschönen, alten Fischerhäuser reihen sich links und rechts des Ufers aneinander. Wer die Nachbarn auf der anderen Seite besuchen, zum Essen gehen oder die Post holen will, muss ins Boot steigen. Heute ist Mingė ein denkmalgeschütztes Juwel und ein beliebter Anlegeplatz für Yachten am Kurischen Haff.

Naturphänomen und Kulturraum

Über Jahrhunderte war das Haff die Lebensader der hier ansässigen „Kuren“. Die Haff-Fischer entwickelten eine völlig eigene Kultur und spezielle, flache Holzboote – die Kurenkähne. Da das Haff tückisch, flach und voller Sandbänke ist, durften die Boote kaum Tiefgang haben. Um die Boote auf dem weiten Wasser den jeweiligen Heimatdörfern zuordnen zu können, erfanden die Fischer die kunstvoll geschnitzten, hölzernen Kurenkahnwetterfahnen an den Spitzen der Masten – ein Symbol, das man noch heute überall in der Region sieht.

Heute steht die Natur im Vordergrund. Der litauische Teil des Haffs und die Nehrung bilden einen streng geschützten Nationalpark. Das Haff ist zudem ein zentraler Knotenpunkt der Via Baltica, einer der weltweit wichtigsten Routen für Zugvögel. Jedes Jahr im Frühjahr und Herbst rasten Millionen von Vögeln an den flachen Schilfufern der Lagune.

Insider-Tipps für Entdecker

  • Insider-Tipp 1: Das Windenburger Eck (Ventės ragas) Fahr auf die Landzunge, die in das Haff ragt. Hier befindet sich eine der ältesten Vogelwarten Europas (gegründet 1929). Du kannst die riesigen, reusenartigen Netze der Ornithologen bestaunen und den alten, roten Backstein-Leuchtturm besteigen. Von dort aus hast du den vielleicht schönsten Panoramablick über die gesamte Breite des Haffs direkt hinüber zu den Dünen von Nida. –> Ventės ragas
  • Insider-Tipp 2: Das Haff per Schiff überqueren Die wahre Dimension des Haffs spürst du erst auf dem Wasser. Nutze im Sommer die regelmäßigen Ausflugsschiffe oder die Fahrrad- und Personenfähren, die das Festland (z.B. von Dreverna oder dem Memeldelta) mit der Nehrung verbinden. Mit etwas Glück begleiten Kormorane oder Seeadler die Fahrt.
  • Insider-Tipp 3: Den traditionellen Räucherfisch probieren Das Haff ist nach wie vor reich an Fisch (vor allem Zander, Barsch und Aal). In fast jedem alten Fischerort – egal ob auf der Nehrung oder am Festland – erkennst du die traditionellen Räuchereien schon am bläulichen, duftenden Erlenholzrauch. Fangfrischer, noch warmer Räucherfisch direkt auf die Hand ist der kulinarische Klassiker der Region.

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