Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.
Nida auf der Kurischen Nehrung
Das wirklich malerische Fischerdorf Nida (historisch Nidden) ist der größte Ort auf der Kurischen Nehrung und einer der faszinierendsten Urlaubsorte in Litauen. Du bist hier direkt am ruhigen Kurischen Haff und nur einen kurzen Spaziergang vom wilden Sandstrand der Ostsee entfernt. Nida ist beliebt wegen seiner Dünen und der vielen bildhübschen Häuser. In Nida findest du einen pitoresken Ort, der schon vor über einhundert Jahren Künstler und Denker anzog.
Die Architektur der Kuren: Fischerhäuser und Wetterfahnen

Das Erste, was dir bei einem Spaziergang durch Nida ins Auge fällt, sind die wunderschönen, traditionellen Holzhäuser. Die historischen Fischerhäuser sind in besonderen Farben gestrichen: Dunkelblau (das sogenannte „Kurenblau“), Dunkelrot und Weiß an den Fensterrahmen. Viele dieser Häuser besitzen kunstvoll geschnitzte Giebelkreuze, die Pferdeköpfe oder stilisierte Vögel zeigen. Sie sollen böse Geister vom Haus fernhalten.
Ein Kulturgut sind die Kurenkahnwetterfahnen (Kuršmarių vėtrungės). Im 19. Jahrhundert wurden diese verzierten Holztafeln vom Fischerei-Inspektor Ernst Wilhelm Beerbohm eingeführt – ursprünglich als Kontrollzeichen an den Fischerbooten, um zu sehen, zu welchem Dorf welches Boot gehört. Die Fischer machten daraus jedoch eine echte Volkskunst. Sie schnitzten komplexe Symbole in die Fahnen: Häuser standen für die Familie, Kirchen für den Glauben, Elche für die Natur und Schiffe für die Arbeit. Heute schmücken Nachbildungen dieser wunderschönen Kunstwerke die Uferpromenade von Nida und erzählen von den Familiengeschichten der alten Haff-Fischer.
Das Historische Fischerhaus in Nida



Um zu erleben, wie die Menschen auf der Nehrung früher ihren harten Alltag meisterten, kommst du am besten ins Ethnografische Fischerhaus in Nida (Nidos etnografinė žvejo sodyba). Dieses strohgedeckte Holzhaus liegt direkt am Ufer des Haffs im südlichen Teil des Ortes. Das ursprüngliche Gebäude wurde im Jahr 1892 erbaut, jedoch im Winter 1970 durch Eisschollen komplett zerstört. Schau dir unbedingt im Museum die Bilder von riesigen Eisschollen an, die das Haus wie eine Streichholzschaltel zerdrückt haben. Nach dem Unglück wurde es originalgetreu rekonstruiert und als Museum geöffnet.
Wenn du durch die niedrigen Türschwellen in die historischen Räume trittst, fühlst du dich sofort in das ausgehende 19. Jahrhundert zurückversetzt. Die Innenräume sind originalgetreu mit Möbeln, handgewebten Textilien, Tongeschirr und typischen Haushaltsgegenständen einer Fischerfamilie eingerichtet. In den angrenzenden Wirtschaftsräumen und im Hof kannst du die originalen Werkzeuge der Haff-Fischer bestaunen, darunter Netze, Eispickel für den Winterfang und hölzerne Bootsutensilien. Das Haus fängt die Melancholie, aber auch den Stolz des alten Lebens zwischen Wind, Sand und Wellen perfekt ein.
Der Leuchtturm Nida auf dem Urbo-Hügel

Ein Wahrzeichen ist der Leuchtturm von Nida (Nidos švyturys), der auf dem 27 Meter hohen Urbo-Hügel (Urbo kalnas) steht. Der allererste Turm wurde bereits 1874 aus roten Backsteinen errichtet, am Ende des Zweiten Weltkriegs jedoch von abziehenden Truppen gesprengt. Der heutige 29 Meter hohe Leuchtturm stammt aus dem Jahr 1953. Es ist ein Leuchtturm wie aus dem Bilderbuch – mit roten und weißen Querstreifen.
Seine Lichtquelle befindet sich (durch die Kombination aus Hügel und Turm) auf 79 Meter Höhe über dem Meeresspiegel. Der Leuchtturm sendet ein weißes Blitzsignal, das auf der offenen Ostsee bis zu 22 Seemeilen (rund 40 Kilometer) weit zu sehen ist. In den Sommermonaten kannst du den Leuchtturm von innen besichtigen und hinauf steigen: Über eine enge historische Wendeltreppe geht es hinauf. Von der oberen Aussichtsplattform aus öffnet sich dir ein atemberaubender Rundumblick über die dichten Wipfel der Kiefernwälder, die roten Dächer des Ortes, das Haff und die Ostsee.
–> alle Infos zum Leuchtturm von Nida
Die Parnidis-Düne: Die „Litauische Sahara“




Direkt am südlichen Ortsrand von Nida solltest du das Naturwunder der Kurischen Nehrung besuchen: die majestätische Parnidis-Düne (Parnidžio kapa). Mit einer Höhe von 52 Metern gehört sie zu den größten aktiven Wanderdünen Europas. Getrieben vom ständigen Westwind bewegt sich der Sand jedes Jahr um 0,5 bis 10 Meter weiter nach Osten. Im 18. und 19. Jahrhundert hat der Sand 14 Nachbardörfer komplett unter sich begraben. Um den Ort Nida vor den wandernden Sandmassen zu schütze, wurden die Dünen Anfang des 19. Jahrhunderts mit Bergkiefern bepflanzt. Die Rettungsaktion glückte, weite Teile sind heute stabilisiert und Nida ist vor dem Verschütten sicher.
Von Nida kannst du auf dem offiziellen Wanderweg auf die Parnidis Düne hinauf wandern. Oben hast du einen richtig spektakulären Blick auf die unberührten Dünen des angrenzenden Naturschutzgebiets Grobštas – bei klarer Sicht sogar bis weit über die Grenze nach Russland (Kaliningrad). Die Sehenswürdigkeit auf dem Plateau ist die 13,8 Meter hohe Sonnenuhr aus Granit. Da die Parnidis-Düne einer der wenigen Orte in Europa ist, an dem die Sonne in der Früh am Horizont aufsteigt und abends versinkt, lässt sich die Zeit hier rein astronomisch am Schattenwurf des Monolithen ablesen.
–> Hier alle Details für den Besuch der Parnidis Düne.
Auf den Spuren der Künstler und Denker

Nida besitzt eine lange Tradition als Künstlerkolonie. Das besondere Licht, die unendliche Weite des Haffs und die Sahara-ähnlichen Dünen zogen ab dem späten 19. Jahrhundert Maler wie Lovis Corinth und Max Pechstein an. Der wohl berühmteste Sommergast war jedoch der deutsche Nobelpreisträger Thomas Mann.
Er war von der Landschaft so beeindruckt, dass er sich auf dem Schwiegermutterberg (Uošvės kalnas) ein Sommerhaus im landestypischen, kurenblauen Fischerstil erbauen ließ. Von 1930 bis 1932 verbrachte er hier mit seiner Familie drei unbeschwerte Sommer und arbeitete unter anderem an seinem Werk „Joseph und seine Brüder“. Heute befindet sich in dem wunderschön restaurierten Haus das Thomas Mann Museum. Wenn du auf der Terrasse stehst, blickst du genau auf das Haff – eine Aussicht, die Thomas Mann als den Italienblick bezeichnete.
Ein weiterer stiller, aber kulturhistorisch höchst interessanter Ort ist der alte Kurenfriedhof (Nidos etnografinės kapinės) direkt neben der roten Backsteinkirche aus dem Jahr 1888. Hier stehen zwischen alten Bäumen die einzigartigen, hölzernen Grabstelen der Kuren. Diese bizarren Holzstelen zeigen fast heidnisch anmutende Formen von Vögeln, Pflanzen oder Schlangen, die in der Mythologie für Wiedergeburt und das ewige Leben standen.



Wichtige Tipps für deine Reiseplanung
Die Anreise nach Nida ist bereits Teil des Abenteuers. Da die Kurische Nehrung eine Halbinsel ist, die im Norden durch eine schmale Wasserstraße vom Festland getrennt ist, nimmst du in der Hafenstadt Klaipėda die Autofähre (oder die Personenfähre) hinüber zur Nehrung. Von dort aus führt eine rund 50 Kilometer lange Landstraße mitten durch die Kiefernwälder des Nationalparks direkt nach Nida. Alternativ gibt es Busverbindungen oder du nimmt das Fahrrad.
- Reisedauer: Da Nida unglaublich viel zu bieten hat (die Dünen, das Fischerhaus, das Thomas-Mann-Haus, den Ostseestrand, den Leuchtturm), solltest du mindestens zwei volle Tage einplanen. Viele Reisende bleiben eine ganze Woche, um die Ruhe auf dem Fahrrad oder am Strand zu genießen. So kannst du auch noch die anderen Orte auf der Kurischen Nehrung anschauen.
- Unterwegs vor Ort: Nida ist perfekt zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu entdecken. Fahrradverleihe findest du an fast jeder Ecke im Ort. Lass dein Auto am besten auf den Parkplätzen stehen.
- Beste Reisezeit: Die Monate Juni bis August bieten herrliches Sommerwetter für Strandtage an der Ostsee. Auch der Mai und der September sind empfehlenswert: Dann ist es im Ort ruhiger und du hast die Aussichtspunkte oft ganz für dich allein. Ein kleiner Tipp zum Abschluss: Bleibe auf der Parnidis-Düne unbedingt bis zum Sonnenuntergang – wenn die Sonne in der Ostsee versinkt ist die Magie der Nehrung perfekt zu spüren.
Weiterführende Links
- das ist die Kurische Nehrung
- wissenswert über das Kurische Haff
- das lohnt in Juodkrantė
- alle Informationen über den Nationalpark Kurische Nehrung

