Die Kurische Nehrung ist eine der schönsten Urlaubsregionen in Litauen. Wir waren dort und haben Nida, Juodkrantė und die riesigen Dünen besucht. Gleichzeitig haben wir nach echten Geheimtipps abseits der Touristenströme gesucht. Einer dieser Geheimtipps ist Kretinga.
➔ Willst du mehr darüber wissen? Hier die offizielle Kretinga Webseite.
Dreverna – das Fischerdorf am Kurischen Haff
Das ehemalige Fischerdorf Dreverna ist ein Geheimtipp am östlichen Ufer des Kurischen Haffs. Auf dem litauischen Festland direkt gegenüber von Juodkrantė gelegen, hat sich der Ort in den letzten Jahren von einem verschlafenen Nest zu einem kleinen Zentrum für sanften Tourismus, Wassersport und Naturerlebnisse entwickelt. Dreverna verbindet das Erbe der alten Haff-Fischer des Memellandes mit skandinavisch anmutender, moderner Architektur und bietet einen der spektakulärsten Ausblicke auf die riesigen Dünen der Kurischen Nehrung.
Die Heimat des Bootsbauers Jonas Gižas
Die Geschichte von Dreverna ist mit dem Handwerk des Schiffbaus verbunden. Über Jahrhunderte wurden hier die traditionellen Kurenkähne (Kurėnas) gefertigt – jene robusten, hölzernen Flachbodenboote, mit denen die Fischer das flache Haff befuhren. Der berühmteste Sohn des Ortes ist Jonas Gižas (1867–1940), einer der letzten und bedeutendsten Meister des Kurenkahnbaus an der Küste. In seinem liebevoll restaurierten Fischerhaus im Ortskern befindet sich heute ein hochinteressantes ethnografisches Museum. Es ist von außen sehenswert mit der typisch dunkelrot-blauen Holzverkleidung. Innen im Museum kannst du originale Werkzeuge bestaunen, Pläne studieren und lernen, wie die kunstvollen Kurenkahnwetterfahnen geschnitzt wurden.
Der moderne Freizeithafen und die „Dörfer auf dem Wasser“



Nur wenige Minuten sind es zu Fuß vom historischen Fischerhaus zum modernen Yachthafen (Drevernos mažųjų laivų uostas). Wo früher einfache Fischerboote anlegten, ankern heute Ausflugsschiffe. Direkt am Hafenbecken wurde ein Feriendorf aus stylischen Holzhäusern auf Pfählen errichtet. Diese Ferienhäuser im skandinavischen Design stehen teilweise direkt über dem Wasser und bieten durch bodentiefe Panoramafenster einen unverbauten Blick auf das Haff. Mit gemütlichen Restaurants, die fangfrischen Fisch servieren, einem Campingplatz, und Verleihstationen für Kajaks, Paddleboards und Kitesurfing-Ausrüstung ist der Hafen ideal für einen Urlaub.
Der Aussichtsturm Dreverna – mit Blick auf die Riesendünen
Die attraktivste Sehenswürdigkeit im Hafen ist der 15 Meter hohe Aussichtsturm von Dreverna (Drevernos apžvalgos bokštas). Die Metallkonstruktion ist frei zugänglich und bietet einen der besten Aussichtspunkte, um vom Haff auf die Kurische Nehrung zu schauen. Wenn du die Stufen erklimmst und auf der oberen Plattform stehst, liegt dir das Kurische Haff zu Füßen. Du sieht direkt über das Wasser auf die andere Seite des Haffs, wo sich die hellen Sandberge der Toten Düne (Graue Dünen) im Naturschutzgebiet Nagliai am Horizont erheben. Von keinem anderen Punkt auf dem Festland sieht man die gewaltige Dimension dieser Sandwüste so eindrucksvoll wie von hier oben. –> wissenswert über die Tote Düne
Insider-Tipps für deinen Aufenthalt in Dreverna
- Insider-Tipp 1: Mit der Personenfähre hinüber nach Juodkrantė Dreverna bietet mit dem Schiff direkten Zugang zur Kurischen Nehrung. In den Sommermonaten verkehrt eine kleine Personenfähre namens „Benas“ zwischen dem Hafen von Dreverna und Juodkrantė auf der Nehrung. Die Fahrt über das weite Haff dauert nur rund 15 bis 20 Minuten. So kannst du dein Auto in Dreverna stehen lassen und einen Tagesausflug zum Hexenberg machen, ohne die lange Autofahrt über Klaipėda auf dich nehmen zu müssen.
- Insider-Tipp 2: Eine Fahrt auf einem echten Kurenkahn buchen Am Hafen von Dreverna liegt eine originalgetreue, historische Nachbildung eines alten Kurenkahns vor Anker. Ein lokaler Schiffer bieten exklusive Ausfahrten mit diesem Holzschiff an. Wenn das große Segel gehisst wird und das flache Boot lautlos über das Haff gleitet, ist die Zeitreise perfekt.
- Insider-Tipp 3: Kitesurfen im flachen Wasser Durch die geografische Lage und die Tatsache, dass das Haff auf dieser Seite vor den Toren Drevernas extrem flach ist und fast immer eine konstante Brise weht, hat sich der Ort zu einem absoluten Mekka für Kitesurfer entwickelt. Auch als Anfänger findest du hier ideale und sichere Bedingungen, um in den lokalen Surfschulen die ersten Versuche auf dem Brett zu wagen.
Wichtige Tipps für deine Reiseplanung
Dreverna liegt im Westen Litauens im Bezirk Klaipėda, rund 25 Kilometer südlich der Hafenstadt Klaipėda und etwa 15 Kilometer westlich der Autobahn A1.
- Zeitaufwand: Für einen Tagesausflug – um das Jonas-Gižas-Museum zu besuchen, den Aussichtsturm zu besteigen und am Hafen zu Mittag zu essen – reichen 3 bis 4 Stunden. Wer die einmalige Atmosphäre in den modernen Pfahlhäusern direkt am Wasser genießen möchte, bleibt am besten für ein bis zwei Nächte.
- Unterwegs vor Ort: Das Hafengelände und das Dorf sind angenehm kompakt und komplett barrierefrei ausgebaut. Dreverna ist zudem an den wunderschönen König-Wilhelm-Kanal angebunden, was die Umgebung zu einem fantastischen Revier für ausgiebige Radtouren entlang der alten Wasserstraßen macht.
- Beste Reisezeit: Die Monate Juni bis August sind die absolute Hochsaison. Dann herrscht am Hafen eine lebendige, fröhliche Urlaubsstimmung, die Restaurants haben geöffnet und die Fähren zur Nehrung fahren täglich. Wer es ruhiger mag und die melancholische Weite des Haffs ganz für sich sucht, kommt im Mai oder September.
Weiterführende Links
- beliebt ist auch der Ausflug ans Kap Ventes Ragas
- in der Nähe ist auch die Insel Rusne
- das ist sehenswert in Silute
- alle Informationen über den Nationalpark Kurische Nehrung

